Ein Held ist er, wenn er das Diurchhält, wenn die Konjunktur wieder lahmt. Wenn dann die anderen noch wollen. Was das reinreden angeht, meine Baustelle wäre noch nicht fertig und hätte erhebliche Änderungskosten erfahren, wenn ich den sogenannten Fachfirmen nicht reingeredet hätte.
Wer sagt euch eigentlich, dass besagter Handwerker ordentliche Arbeit abliefert, nicht völlig überteuert und kein Spinner ist? Vielleicht ist ja in Wirklichkeit er selbst das Problem. Und die Tatsache, das so zu veröffentlichen, läst mich dann auch an seinen Qualitäten -zumindest als Kaufmann - zweifeln. Er kann sich die dicke Hose vermutlich im Moment tatsächlich leisten. Aber die Zeiten ändern sich ja doch immer mal wieder. Das fällt im dann noch mal auf die Füsse.
Seht ihr: Wir diskutieren darüber! Und das tun auch die Ingenieure von Siemens und Audi und deren Bekannte, die bei Bosch, Lebkuchen Schmitt oder sonstwo arbeiten, also auch Menschen, die nicht auf seiner No-Go-Liste stehen. Den einen ist er ein Held, die andern sehen sich veranlasst, den auf keinen Fall zu beauftragen. Und das nur, weil er es mal richtig rausgelassen hat?
Also ich halte das für äusserst dumm!
Edit sagt: Ich glaube, ich hätte versucht, dem kein Auto zu verkaufen...
aus marketing- & kommunikationsperspektive kann ich die einwände vollumfänglich nachvollziehen.
dennoch gebe ich zu bedenken, auch die perspektive des handwerks zu berücksichtigen: die handwerker werden immer knapper, aus verschiedenen gründen: 1. der allgemeine fachkräftemangel aufgrund des demographischen wandels, 2. die vergleichsweise schlechte bezahlung (in der industrie werden deutlich bessere gehälter bezahlt), 3. der schon seit längerem anhaltende trend zum studium und 4. abnehmendes wissen / schwindende vertrautheit mit der sphäre des handwerklichen - immer weniger junge leute sind sich der option einer beruflichen perspektive im handwerk bewusst.
d. h. auch wenn der bauboom abebben sollte, bleibt die nachfrage nach handwerksdienstleistungen vermutlich hoch, ganz einfach weil es immer weniger handwerker gibt. insofern kann man häufig froh sein, überhaupt einen handwerker für sein anliegen zu bekommen.
und darüberhinaus gilt für viele handwerker, dass sie sich einen zufriedenen und treuen kundenstamm erarbeitet haben, der für eine stabile ökonomische lage ausreichend ist. oft gibt es wenig bis gar keine ressourcen, um ein betriebliches wachstum überhaupt umzusetzen.
und ich glaube, dass dieser "ausschluss" des herrn schmiedel in erster linie auf das segment der neukunden abzielt vor dem hintergrund einer sehr stabilen stammkundschaft und hoher auslastung.
ich habe mit handwerkern (im sanitärgewerbe) gesprochen, die ihre lieferanten gebeten haben, ihre adresse (die des handwerkers) aus der liste der möglichen dienstleister zu streichen, um nicht noch mehr anfragen von neukunden zu bekommen, weil sie schon kaum in der lage sind, die bestandskunden adäquat zu bedienen. oder andere, die sich mit händen und füßen dagegen wehren, eine website im netz zu erstellen, weil sie dann befürchten, dass noch mehr kunden zu ihnen kommen.
wenn man als handwerker schon vollstens am anschlag arbeitet, braucht man mit sicherheit nicht auch noch kunden, die überkritisch sind oder eine schlechte zahlungsmoral an den tag legen.
Arbeite nie für Lehrer und Juristen. Alte Weisheit. Lehrerinnen mit Doppelnamen sind noch ein spezielles Sonderproblem, das es gesondert zu behandeln gilt. . Wie pfiffig es ist, dieser gesicherten Tatsachen öffentlich von sich zu geben, sei mal dahin gestellt. Ansonsten gilt: Mit ausreichend Schmerzensgeld ist (fast) jeder Kunde zu ertragen.
Frielinger, Soziologiestudent seit 30 Jahren
Ps.: bei der momentanen Ausbildungslage im Handwerk sollten wir alle unsere Haus- und Hofhandwerker gut behandeln. Deren Leistungen werden wir mangels Alternative in 10-20 Jahren in Gold aufwiegen
Komme nach einer Woche nach Hause. Hatte noch 3 Gewerke auf der Baustelle. Der Eine hat nix gemacht und wird jetzt wohl den Termin, der andere wieder was verfrickelt (undicht), der eine hat ungefähr die Hälfte vom zugesagten gemacht. Der GU meint, wäre doch alles fertig. Wahrscheinlich schmeißen die den Umzugstermin meiner Eltern, beide Mitte/Ende 80. Eigentlich sollten die alle vor Weihnachten fertig sein.
Mir bleibt eine Begebenheit aus der Phase der Sanierung unseres Hauses vor ca 20 Jahren in Erinnerung. Ich traf mich am späten Nachmittag mit unserem Baufuzzi auf der Baustelle. Er zeigte mir eine zur Höhe von ca 1 m bis 1,50 gemauerte Säule (so 40 x 40 cm). Er war morgens früh schon mal da gewesen und konnte daher berichten, dass die 2 Maurer genau diese eine halbe Säule als Tagwerk geschafft hatten. Um das Bild zu komplettieren sei erwähnt, das die Zahl der im Bereich der Säule herumstehenden leeren Bierflaschen vermutlich höher war, als die der vermauerten Steine.
Die Firma ist dann ca 1 Jahr später in Insolvenz gegangen (was mich kaum überrascht hat).
In so Großunternehmen ist das Problem eher der Verbuchungsprozess als der Mensch / Beruf der da hintersteht. Unsere Abteilung hatte mal erhebliche Einsparungen durch abgeschlossene Wartungsverträge erzielt und keiner konnte uns eine Kostenstelle nennen, auf die wir das zurückbuchen können.
---------------------------------------------- I'm not fat! I'm big-boned!