Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
W650.deW650 ForumW-Tour/Treff-Kalender
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 76 Antworten
und wurde 8.567 mal aufgerufen
 Reiseberichte / Motorradgeschichten
Seiten 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6
manx minx Offline




Beiträge: 10.573

04.05.2012 05:18
#46 RE: Falcones Reisen: Abruzzentour Ostern 2012 Antworten

virtuelles mitfahren, reales rumhocken.

schoener bericht, der mich umso grummeliger hier im regen sitzen laesst.

manxman

Falcone Offline




Beiträge: 109.203

04.05.2012 20:34
#47 RE: Falcones Reisen: Abruzzentour Ostern 2012 Antworten

9. Tag, Samstag, der 7.4.2012
Sulmona. Abruzzen bis Adria, 290 km


Unser bezopfter Wirt hat das Frühstücksbuffet sehr liebevoll hergerichtet und extra etwas Käse für uns besorgt. Ansonsten freue ich mich über das typisch italienische süße Angebot an Backwaren und Kuchen.
In der Nacht hat es etwas geregnet, wir starten bei nur 13 Grad gegen 9.30 Uhr.
Schnell geht es wieder in die Berge und da ist es doch recht frisch.
Wir haben uns einen zweiten Anlauf zum Campo Imperatore vorgenommen, dieses mal von der Südseite her. Wir verlassen also Sulmona in Richtung Norden und fahren nach Popoli
Nach etwa 35 Kilometern sehen wir am Berghang vor uns eine Serpentinenstraße sich hinaufwinden. Und tatsächlich, wir fahren unaufhaltsam drauf zu. Schnell geht es aus der Ebene heraus und in den Gran Sasso-Park hinein, wunderschön windet sich die Straße gespickt von „Tornanti“ den Berg hinauf, innerhalb von 10 Kilometern sind wir 1000 Meter höher.


Im morgendlichen Dunst kann man den Bergaufstieg schon aus der Entfernung gut erkennen


Schön kann man den Verlauf der Straße durch das Tal und den Berg hinauf nachvollziehen


Schon kann man wieder schneebedeckte Berge erkennen. Wir sind schon wieder auf 1200 Meter Höhe.


Wie die Adlerhorste schmiegen sich Dörfchen an den Hang oder thronen auf Gipfeln, hier Castelvecchio

Wir fragen uns immer wieder, was hat die Leute vor Hunderten von Jahren dazu bewogen, hier oben ein Dorf zu errichten. Der Transport der Baumaterialien muss genauso mühsam gewesen sein, wie später die Versorgung mit Lebensmitteln. War die Lage so schlimm, dass die Verteidigbarkeit dermaßen über alles ging?


Ein verlassenes Dorf auf einem Gipfel

Auf 1200 Meter Höhe fahren wir über einen kleinen Pass und kommen in eine Hochebene, die bewirtschaftet und auch ganz gut besiedelt ist. Groß ist sie nicht. Sie wird von dem Ort Castel del Monte überragt.


Hochebene auf etwa 1200 Metern Höhe


Castel del Monte


Ein schwer bewachter Hof

Hinter Castel del Monte schraubt sich die Straße schnell auf 1600 Meter Höhe und wir erreichen die Hochebene des Campo Imperatore, an deren anderen Ende das gleichnamige Hotel liegt, das wir besichtigen wollten. Zuvor halten wir aber noch kurz vor diesem Schild,


dessen Bedeutung uns nicht ganz klar ist. Wir interpretieren es dahingehend, dass die Straße bei Schnee gesperrt sein kann, dass man aber sonst von 8 bis 16 Uhr fahren darf. Schnee war aber keiner zu sehen. Also weiter. Vermutlich bedeutet das Schild aber ganz was anderes?

Wir sind nun in einem sehr kargen Gebiet angekommen, Bäume wachsen nur noch ganz vereinzelt. Sicher ist es auch hier im Sommer noch schöner, aber auch diese Kargheit unter bleigrauem Himmel ist beeindruckend. Allerdings ist es ziemlich kalt


Karg ist es hier, …


… steinig und die Gipfel tragen Schnee.


Blick über das wilde und unberührte Kernland der Abruzzen


Steinig ist es und kalt


Noch ein letzter kleiner Pass …


… und wir erreichen den Talkessel des Campo Imperatore, in …


… den sich die Straße hinunterwindet

Der Talkesel des Campo Imperatore liegt auf 1500 Metern Höhe und auch ihm wird nachgesagt, dass er an tibetanische Hochebenen erinnern soll.
Zwei Mal haben wir inzwischen Schranken passiert, die beide geöffnet waren, aber nun ist die dritte geschlossen. Wir denken zwar, dass wir a) problemlos an ihr vorbei kommen und b) die Straße dahinter weiterhin befahrbar sein wird, die Chance, aber irgendwann in der weit einsichtigen Ebene einem Park-Ranger zu begegnen ist, ist überdurchschnittlich groß. Also entscheiden wir uns dagegen. Wir müssen auch nicht allzu weit zurück fahren, um über eine andere Straße den Campo wieder in Richtung Nordosten zu verlassen. Schade ist es schon, wir hätten ihn sehr gerne durchquert.
Wieder fahren wir erst mal bergan aus der Hochebene heraus bis auf über 1600 Meter, um dann durch ziemlich zerklüftete Täler auch schnell wieder bergab zu fahren. Beim Überfahren des Höhenzuges wird es uns dann doch ziemlich kalt, das Thermometer zeigt nur 7 Grad.


Von rechts sind wir gekommen, nach links fahren wir nun weiter


Noch ein letzter Blick auf den Campo


… und schon geht es wieder bergab.


Kalt ist´s.

Wir wollen nun auf einer Bergstrecke rüber nach Isola del Gran Sasso fahren, aber auch hier ist die Straße wieder „interrotto“. Da wir aber wissen, dass man meistens doch durchkommt, versuchen wir es erst noch mal, müssen aber doch umkehren, nichts geht. Schade, er zweite Frust.
Hinab geht es daher ins Tal. Beachtlich ist die landschaftliche und klimatische Vielfalt des Landes, die heute wieder besonders deutlich wurde. Kein Tal gleicht dem anderen, jedes hat seinen eigenen Reiz. Man kommt aus Tälern, die sehr grün und bunt sind, schnell über zahlreiche Tornanti auf karge Hochebenen mit schneebedeckten Gipfeln umgeben, um dann ebenso zügig wieder in einem ganz anderen Tal zu landen, mit anderen Baustilen und auch anderer Vegetation. Sonne, Wind- und Wolkenverhältnisse wechseln nach jedem Höhenzug, da Wetter kann auch schnell umschlagen.
Henny freut sich an Unmengen von blühenden Primeln (meist gelb) und lila Krokussen, die den Wegrand ebenso säumen, wie auch lila blühende Bäume, von denen wir aufgrund der Baumform erst vermuten, dass es wilde Pfirsiche sein könnten, bei genauerer Inspizierung der Blüten aber feststellen, dass es etwas anderes, uns unbekanntes sein muss.
Viele Tiere sehen wir an Straßenrand, freilaufende Pferde und Kühe, Maultiere und auch Esel, kleine und große Hunde, leider aber keine der seltenen Wildtiere. Aber die werden auch nicht gerade auf lärmende Motorräder warten.

In einem kleinen Bergdörfchen namens Roccafinedamo machen wir eine Pause. Die Sonne scheint mal wieder und wir können vor der kleinen, sehr schlichten Bar an der Straße sitzen.
Ich scheu mir die lila blühenden Bäume an und mache ein Bild von den Blüten. Vielleicht weiß ja jemand, was das für Bäume sind, die hier in Mengen am Straßenrand blühen?


Pause in Roccafinedamo


Die mysteriösen Bäume und ..


… ihre Blüten

Nach einer guten Viertelstunde fahren wir weiter auf kleinen gewunden Straßen durch bergige Gegend in Höhen zwischen 200 und 500 Metern. Sonne und Wolken wechseln sich ab bis wir kurz vor Teramo einer dicken, dunklen Wolke nicht mehr ausweichen können. Als die ersten dicken Tropfen fallen, sehen wir eine kleine Bushaltestelle, parken die Motorräder und stellen uns unter. Nach fünf Minuten ist der Spuk schon wieder vorbei, allerdings sind die Straßen jetzt nass. Henny zieht ihre überaus kleidsame KTM-Regenhose an.


Motorräder und kleiner Regenschutz


Nun muss die KTM-Hose zeigen, was sie kann!

Nach ungefähr 35 Kilometern erreichen wir die Marken und bald darauf Ascoli, wo wir an einem Supermarkt anhalten, um unsere Vorräte zu ergänzen. Bier und Wein, Käse und etwas Wurst, Pannacotta und Brioche, Weißbrot und Obst. So sind wir immer gut gerüstet und bei den Temperaturen wird auch nichts schlecht. Wir werden von einem jungen Farbigen angesprochen, der auf uns zukommt und uns gleich die Hände schüttelt. Als er merkt, dass wir keine Italiener sind, fragt er ob wir englisch sprechen und es stellt sich heraus, dass er aus Lesoto kommt. Er freut sich sehr, englisch sprechen zu können, jedoch haben wir echt ein Problem, seinen Dialekt zu verstehen. Er erzählt von Frau und Kindern und dass er hier keine Arbeit findet um ihnen Geld zu schicken und deswegen versucht, sich mit dem Verkauf von Dingen über Wasser zu halten. Komischerweise will er uns nichts verkaufen und fragt auch nicht nach Geld.
Er geht dann weiter zu seinen Kumpels und wir essen eine Kleinigkeit von unserem Einkauf.
Als wir wegfahren wollen, kommt er wieder vorbei und nun fragt er doch nach ein paar Euros. Na gut, soll er haben.


Henny und die Schwarzen Herren in Ascoli

Wir kommen durch Montefalcone und Monte San Martino und ich muss sagen, in der Wahl der Namen ihrer Orte habe die Italiener schon Geschmack.


Die Landschaft in den südlichen Marken, Blick nach Westen auf den Monte Sibillini


Zitat
Netter Wegweiser



Nun schwenken wir nach Osten ab und kommen über Ferma an die Adria-Küste nach Porto San Giorgio. Hier erwartet uns dichter Feierabendverkehr und enge Einbahnstraßen. Kurz suchen wir nach einem Hotel, von denen es mehrerer, meist recht prächtige gibt. Trotzdem, es gefällt uns nicht, zu viel Trubel und es ist ja noch relativ früh. Wir fahren weiter nach Norden an der Küste entlang. Es ist zu erahnen, dass hier im Sommer alles rappelvoll ist. Jeder Meter Strand ist erschlossen, überall gibt es Hotels und Pensionen, Restaurants und Imbissbuden, Strandbars und Surfschulen. Aber alles ist noch geschlossen.

In Lido di Fermo halten wir vor einem großen Hotel. Es ist hässlich wie ein Kühlschrank. Henny tendiert, hineinzugehen, ich hatte noch einen Wegweiser gesehen und fahre noch mal schnell nach San Tommaso, um dem nachzugehen. Aber auch dieses Haus hat nicht nur geschlossen, sondern steht auch noch zum Verkauf. Da wir kein ganzes Hotel brauchen, nehmen wir doch den hässlichen Kasten und werden sehr freundlich empfangen.
Wir bekommen ein wunderbares Zimmer mit Meerblick und viel Komfort und Schnickschnack wie vom Bett aus auf Knopfdruck zu bedienende Vorhänge. Es kostet zwar satte 96 Euro, aber es wird auch entsprechend was geboten, inklusive Garage für die Motorräder, die uns der Scheffe höchstpersönlich anweist.
Wir machen noch einen ausgedehnten Spaziergang am Strand entlang, ohne jedoch auf eine Menschenseele zu treffen, lediglich ein paar Hunde gibt es. Wir können uns kaum vorstellen, dass hier am Teutonengrill im Sommer die Menschen dicht an dicht in der Sonne braten.


Sollen wir hier wirklich übernachten?


Blick von unserem Fenster aus auf …


… auf eine Bohrinsel am Horizont und …


… auf einen menschenleeren Strand


Erst ein kleines Abendessen, dann …


… Spaziergang am Strand mit Regenbogen und …


Sonnenstrahlen auf den Bergen sowie …


… Sonnenuntergang und …


2704
Lichtspielen in den Wolken über dem Meer und …


… über den Bergen (die Fotos sind unbearbeitet!)


Karte 9. Tag

Grüße
Falcone

wisi Offline



Beiträge: 1.726

04.05.2012 22:49
#48 RE: Falcones Reisen: Abruzzentour Ostern 2012 Antworten

Cercis ...

Edith meint, ich soll noch fragen, ob wir jetzt was gewonnen haben ... ein Glas Kirschen vielleicht ... oder so ...

Falcone Offline




Beiträge: 109.203

05.05.2012 09:03
#49 RE: Falcones Reisen: Abruzzentour Ostern 2012 Antworten

Kirschen? Ein Glas Bohnen vielleicht ...

Danke jedenfalls!

Grüße
Falcone

Falcone Offline




Beiträge: 109.203

05.05.2012 09:05
#50 RE: Falcones Reisen: Abruzzentour Ostern 2012 Antworten

10. Tag , Sonntag, der 8.4.2012
Marken, 115 km


Der Internetzugang am vergangenen Abend hat uns leider gezeigt, dass wir heute mit Regen zu rechnen haben. Wir wollen deswegen Urbino erreichen und dort übernachten und uns das Städtchen ein wenig ansehen.
Wir frühstücken für italienische Verhältnisse richtig fürstlich, es gibt sogar Wurst und Käse, Dazu Obst, Cornflakes, Müsli und natürlich verschiedene Dolci.
Der Himmel lockert auf und in unsre Fahrtrichtung scheint sogar die Sonne. So starten wir um 10 Uhr bei beachtlichen 19 Grad. Wir fahren noch etwa 10 Kilometer an der Küste entlang und biegen dann nach westen in die Berge ab um nach etwa 15 Kilometern bei Macerala dann nach Nordwesten parallel zur Küste zu fahren. In den Bergen bewegt sich die Temperatur so um 17 Grad. Das Navi darf für uns wieder „kurvenreiche Strecken“ auswählen.


Blick von Macerala aus auf die Sibillinischen Berge


Typische Landschaft der Marken, im Hintergrund der Monte Sibillini


Weiter nördlich werden die Marken etwas flacher.


Typisch sind die Ortschaften auf den Hügeln (irgendwo auf einem Sträßchen bei Cantalupo)

So kurz nach 12 erreichen wir Jesi und fahren in de Altstadt, wo wir ein wenig herumtrödeln und ich mir ein wenig Geld an einem Automaten besorge. Lästig ist es, dass die meisten italienischen Tankstellen Automaten sind (was ja eher vorteilhaft ist, weil rund um die Uhr geöffnet), aber keine Karten akzeptieren. Jedermann zahlt mit Scheinen, was bedeutet, dass wir zum einen immer kleine Scheine bunkern müssen und zum anderen die Tanks fast nie richtig voll kriegen. In Anbetracht der „Pfützen“ die auf den Ws als Tank gelten, ziemlich nachteilig.
Es weht ein kühler Wind und wir suchen alsbald eine Bar auf.


Piazza und …


… eine Altstadtstraße in Jesi.


Kleine Pause in einer typischen Bar

In der Bar ist dauernd was los, Leute kommen und gehen, wechseln ein paar Worte, trinken einen Espresso und verschwinden wieder.
Gönnt man sich einen Wein oder einen Drink, gibt es ein paar Chips und Oliven auf einem Teller dazu. Und reichen Cappucho, Latte und Brioches, die hier meistens mit so viel süßer Creme prall gefüllt sind, dass kaum noch Teig drumherum vorhanden bleibt.
Als wir gegen 13 Uhr weiter fahren wollen, zeigt das Thermometer nur noch 13 Grad an. Der Wind weht stärker und der Himmel ist grau.


Vor dem Start in Jesi ziehen wir uns etwas wärmer an.

Bald hinter Jesi, wir sind wieder auf etwa 250 Meter Höhe, nimmt der Windstark zu und geht bald in Sturm über. Da die Straße meist frei über Hügelkämme verläuft, wird es langsam richtig unangenehm. Zudem fällt die Temperatur innerhalb einer halben Stunde auf nur noch 7 Grad, und das bei heftigem Seitenwind. Henny zieht die Regenhose über und wir beschließen, wieder die Küste anzulaufen, auch wenn es gerade erst mal 14 Uhr ist.
Das war ein guter Entschluss, denn der Sturm wird immer heftiger und die ersten Regentropfen fallen.
Ziemlich durchfroren finden wir zum Glück recht schnell ein kleines Hotel, das mit 50 Euro zudem auch noch recht preiswert ist. Die Besitzerin spricht ein wenig deutsch und ist sehr bemüht. Unsere Motorräder müssen trotzdem leider draußen stehen bleiben, allerdings auf einem verschlossenen Platz und dicht an einer Mauer.
Henny ruft die Tochter Nina an, die heute Geburtstag hat.
Draußen stürmt und regnet es heftig, die Alufenster klappern und vibrieren in ihren Rahmen, der Regen peitscht an die Scheiben und wir halten erst mal eine Siesta.


Blick vom Hotelfenster aus auf die stürmische Adria

Leider gibt es keinen Internetzugang, und so lesen wir, Henny schreibt etwas Tagebuch und ich kann mit dem Motorrad-Tourenplaner die nächsten Tage planen. Gegen 19 Uhr nutzen wir eine kurze Regenpause, um uns ein Lokal zu suchen. Nicht weit finden wir eine Pizzeria mit sicher weit über 100 Sitzplätzen, in der wir die einzigen Gäste sind. Kaum sind wir drin, setzt wieder heftiger Regen mit Hagelschauern ein. Ich esse eine richtig gute Pizza mit Käse, Knoblauch und Zwieblen und Henny gönnt sich einen Topf Vongole. Die Muscheln sind zwar recht klein, aber lecker. Man ißt sich allerdings hungrig. Als Abschluss doch Dolci: Panacotta mit Karamelcreme. Inzwischen gibt es auch noch ein paar andere Gäste hier und man sieht der Bedienung an, dass sie auf Touristen geschult ist, alles etwas übertrieben und auf Schau getrimmt, aber durchaus nett und sympatisch und sie wissen auch immer ein paar Worte auf deutsch Als eine große Familie eintritt, sagt der Ober mit unvergleichlichem Akzent zu uns: Mein Gott, mein Gott – viele Kinder und kein Brot!
Wie mag das hier im Sommer aussehen, wenn alles voll besetzt ist? Die Bedienungen beneide ich dann nicht.
Wir gehen recht früh schlafen, der Sturm lässt die Fenster immer noch vibrieren, aber wir schlafen trotzdem gut.


Wir habe trotz des Wetters gute Laune, ich habe schon meine Pizza und …


… Henny freut sich bald über ihre Vongole.


Karte 10. Tag

Grüße
Falcone

Falcone Offline




Beiträge: 109.203

06.05.2012 10:25
#51 RE: Falcones Reisen: Abruzzentour Ostern 2012 Antworten

11. Tag, Montag der 9.4.2011
Marken, San Marion, Emilia Romagna, 227 km


Das Frühstück ist soweit ok, nur beim Kaffee erhalten wir einen Topf braunen Waschwassers, welches die Inhaberin für deutschen Kaffee hält und wohl auch noch stolz drauf ist. Da sie sonst sehr freundlich ist, meckern wir nicht und schauen nut etwas sehnsüchtig auf die schöne Espressomaschine hinter der Bar.
Draußen scheint zwar schon die Sonne, aber es ist noch stürmisch und recht kalt. Wir ziehen uns dick an.


Sonne, aber noch Wellen auf dem Meer

Bald haben uns die schönen kleinen kurvenreich ausgesuchten Straßen der Marken wieder. Die Strecke führt sehr schön durch Hügelland, oftmals auf Bergkämmen entlang und bietet somit schöne Ausblicke nach beiden Seiten.



In den Marken

Urbino ist unser nächstes Ziel. Es ist Teil des Weltkulturerbes und es macht Spaß, durch die verkehrsfreien Gassen zu wandern, Es gibt zwar schon einige Touristen, aber es ist alles noch ruhig und beschaulich und die Sonne samt strahlend blauem Himmel trägt ihren Teil dazu bei, dass wir uns sehr wohl fühlen.
Auf der Piazza ist Markt und wir schlendern durch die Stände. Gut, dass man auf dem Motorrad keinen Platz hat, etwas mitzunehmen.


Stadttor von Urbino


Enge Gassen und …


… eigenartige Bewohner


Der Dom und …


… gleich daneben das Geburtshaus von Papst Clemens XI.

Zum Besichtigen der Gebäude verspürten wir keine Lust, hielten uns daher lieber in der Sonne auf, schlenderten herum und setzten uns vor eine Bar.


Gelassene Betriebsamkeit.

Zuletzt gönnten wir uns noch eine Tüte mit frisch frittiertem Gemüse (sehr fein) und kehrten wieder zu unseren Motorrädern zurück. Weiter geht die Fahrt nach San Marino. Sollte es uns dort gut gefallen, wollen wir dort übernachten.


Nicht mehr ganz so dick angezogen besteigen wir wieder die Motorräder, werfen …


… einen letzten Blick auf San Urbino und …


… fahren wieder in die Marken, wo …


… nach etwa 30 Kilometern dann …


… die Grenze zu San Marino erreichen, der angeblich ältesten Demokratie der Welt.

In Murata wird uns von einem schicken Polizisten schon die Zufahrt hoch nach San Marino verweigert. Wir fahren westlich um den Ort herum und wundern uns über die Unmengen von Autos und Bussen, die überall parken, wo es nur möglich und halbwegs erlaubt ist. Menschenmassen wandern den Berg hinauf.
Wir finden eine Auffahrt von Norden her bis hoch zu den Stadttoren, die uns keiner versperrt, und es gibt direkt vor dem Tor sogar noch einen Motorradparkplatz mit genau zwei freien Plätzen nebeneinander, Glück muss man haben.


Der Hausberg von San Marino, der Monte Titano


Blick auf die Sibillinischen Berge


Auch in San Marino weiß man gute Motorräder zu schätzen


Das Stadttor, durch das alle hindurch müssen


Innerhalb der Mauern ist viel Trubel und …


… es gibt sonderbare Museen. Da wir uns aber nicht quälen lassen wollen und …


… keine FKK-Bedürfnisse haben sowie …


… auch keinen Bedarf an Waffen, haben wir uns …


… lieber einen Cafe Latte gegönnt, der als Bausatz geliefert wird: Zu einem Glas heißer Milch wird ein Kännchen mit Espresso gereicht. Auch gut.

Überhaupt ist San Marion etwas eigen, obwohl nicht zur EU gehörig, ist der Euro offizielles Zahlungsmittel, was man ja verstehen kann, aber sie haben sogar die Frechheit, eigene Euros zu prägen! Und das, obwohl sie z.B. mit Deutschland seit dem ersten Weltkrieg noch keinen Frieden geschlossen haben. Unglaublich!
Als Andenken habe ich mir jedenfalls einen San Marinesischen Euro mitgebracht, weiß aber nicht, ob er wirklich was wert ist.

Insgesamt sind wir von San Marino aber etwas enttäuscht. Es ist, zumindest da, wo wir waren, rein touristisch ausgerichtet und es reiht sich ein Ramschladen an den nächsten. Erstaunlich, was die Leute so kaufen oder zumindest kaufen sollen. Aber es fällt auch auf, dass der Großteil der Touristen eher einen, sagen wir mal, etwas schlichten Eindruck macht. Da wir das mit dem Umsatz dann schon klappen. Da auch die Preise deutlich höher als im Umland sind, fällt uns der Entschluss leicht, hier nicht zu übernachten. Dass wir so von San Marino nicht übermäßig viel mitbekommen, stört uns dabei nicht weiter.


Ein Polizist leitet den Besucherstrom nach links, wir dürfen trotzdem nach rechts zu den Motorrädern.

Bei Secchiano fahren wir wieder hinauf in die Berge und schlagen westliche Richtung ein. Wir sind inzwischen in der Emilia Romagna und fahren erst mal am Nordosthang des Apennin entlang




Emili Romagna


Vor uns der Apennin (Montefeltro)

Bei Boretto biegen wir nach Südwesten ab und fahren direkt in den Apennin hinein. Bald sind wir wieder auf über 700 Meter angekommen.
In der Nähe von Santa Sofia, zwischen Spinello und Raggio liegt eine kleine Herberge in der Abendsonne und spontan beschließen wir, hier nach einem Zimmer zu fragen.


Herberge in der Abendsonne

Wir beziehen das Zimmer, das zwar nur wenig Komfort bietet, dafür aber in einem Nebengebäude völlig ruhig liegt. Fünf Betten sind in dem Zimmer und es ist offensichtlich für Familien oder Gruppen gedacht. Der Wirt fragt mach „matrimonaio“ oder so ähnlich und als wir nicken, bekommen wir zwei Betten zusammengerückt. Er macht uns noch klar, dass es um „otto“ Abendessen gibt.


Vor unserem Zimmer

Erst mal machen wir einen ausgiebigen Spaziergang in der Abendsonne ins Umland und stellen dabei fest, dass wir hier offensichtlich auf einem nicht gerade kleinen Selbstversorger-Hof gelandet sind


Blick auf den Hof.

Pünktlich sind wir wieder zurück und am Abendessentisch.
Im Gastraum hat sich noch eine große Gruppe von mehr als 20 Personen angefunden, die zusammen tafeln. Dauernd wird ihnen was herbeigeschafft. Der Wirt fragt uns, was wir möchten und zählt einige Dinge auf, von denen wir nur Zuppa, Tagliatelle und Gnocchi verstehen. Henny wählt Tagliatelle, ich Gnocchi. Er fragt etwas, was wir nicht verstehen und macht dann eine Art Mischbewegung und meint mezzo. Wir nicken, und vermuten, dass so jeder was von beidem bekommt.
Aber wir bekommen eine große Platte Tagliatelle und jeder davon eine ordentliche Portion auf seinen Teller. Nachdem das geschafft ist, ahnen wir schon, dass es nun noch Gbnocchi gibt. Und so ist es auch. Wieder ein Teller für jeden.
Während wir das alles verdrücken, stauen wir, was für die Gesellschaft am großen Tisch herangekarrt wird. Dauernd werden Platten und Schüsseln gebracht.
Kaum sind unsere Teller leer, fragt er uns nach weitern Wünschen und zählt auf. Um es kurz zu machen: Es gibt dann in der Folge noch warmes Gemüse, eingelegte Tomaten, gefüllte Teigtaschen, diverse Käse und Frischkäse, Wurst, Schinken und Backwaren. Dazu eine Flasche Wein und zum Nachtisch Eis.
Wir sind pappsatt und ziemlich unbeweglich. Das Leistungsgewicht der Ws wird am nächsten tag exorbitant schlecht sein!
Das Essen hat übrigens 20 Euro pauschal gekostet. Für jemanden, der da mal hin will: Nocina nennt sich das Haus.
Auf dem Weg zum Zimmer kommen wir an den Motorrädern vorbei: 0,1 Grad zeigt das Thermometer. Na prima!


Zufrieden!




Karte, 11. Tag

Grüße
Falcone

Nisiboy Offline




Beiträge: 5.605

06.05.2012 11:20
#52 RE: Falcones Reisen: Abruzzentour Ostern 2012 Antworten

Wenn ein Restaurant-Besuch so einen Gesichtsausdruck hinterlässt, dann pfeif ich auf's Leistungsgewicht.

Ach Italien...

Grüße aus dem Norden

Nisiboy

LLKawa Offline




Beiträge: 1.711

06.05.2012 12:07
#53 RE: Falcones Reisen: Abruzzentour Ostern 2012 Antworten

Alles sehr schön, aber was sagen die Verschwoerungstheoretiker?

Alles gefaked! Die ganze Reise ist erfunden! Beweise?? ==> das Bild vom Abendessen am 8. Tag ist identisch mit dem am 9. Tag.

Edit am 8.6.: Da war das Bilder sortieren wohl noch nicht beendet! Nehme alles zurück



Gruß Ludwig

Falcone Offline




Beiträge: 109.203

07.05.2012 08:04
#54 RE: Falcones Reisen: Abruzzentour Ostern 2012 Antworten

12. Tag, Dienstag, der 10.4.2012
Apennin - Toscana und Emilia Romagna, 274 m



Für heute ist eine Apennin-Bergtour angesagt. Gestern Abend hatte ich noch eine Alternative durch die Ebene eingegeben, falls wir bei Regen aufwachen sollten. Aber wir haben Glück, die Sonne scheint. Also schieben wir das Eis von den Sitzbänken und starten um 9.30 Uhr. Das Frühstück war sehr schlicht, was aber in Anbetracht des gestrigen Abends genau richtig war.

Also über Santa Sofia nach Südwesten direkt hinein in den Apennin. Im Parco Nationale delle Foreste Casentinesi Monte Falterona Campigna machen wir auf einem hochgelegnen Platz halt und lassen sie Stille der Bergwelt auf uns wirken. Seit einer Weile schon sind wir alleine auf der Straße. Steil geht es nun weiter bergauf und bald haben wir fast 1300 Meter erreicht und passieren den Passo della Calla, der auch die Grenze zwischen den Provinzen Emilia Romagna und Toscana bedeutet. Teilweise fahren wir im Schnee.


Hinein in den Apennin


Traumhaftes Wetter und wunderbare Straßenführung


Im Parco Nationale delle Foreste Casentinesi Monte Falterona Campigna


Bald wir es winterlich.


Passo della Calla, 1296 Meter


Nicht die besten Straßenverhältnisse und …


… auch noch ziemlich frisch.



Genauso steil windet sich die kleine Straße wieder hinab ins Tal. Bei Stia haben wir mit etwa 450 Metern einen Tiefstpunkt erreicht und schon geht es auf einer kleinen Straße wieder hinauf auf 1000 Meter. 15 Kilometer und unzählige Serpentinen weiter sind wir wieder unten im Tal auf 250 Meter und machen in Londa Pause. Ein hübsches kleines Bergdörfchen an einem Flüsschen und wir sitzen in der Sonne vor einer Bar gegenüber einem etwas morbiden, leerstehenden Haus mit ehemals prachtvollem Wandschmuck. Welche Geschichten könnte es uns erzählen?


Und schon wieder der nächste Pass mit …


… tollem Ausblick


In Londa …


… sitzen wir gegenüber …


… diesem ehemals schönen Haus.

So geht es erst mal weiter durch die Gegend namens Mugello an einem Fluss entlang, und nahe an Florenz vorbei, bis wir hinter dem Lago di Bilancino doch etwas Müde werden und eine Mittagspause an einem sonnenbeschienenen Hang machen. Dass die Autobahn Bologna-Florenz in Sichtweite vorbei läuft, stört und nicht beim schlafen, aber ein dämlicher Autofahrer, der laut hupt, weckt uns wieder auf.


Pause im Gras

In der Folge geht es wieder auf kleinen und kleinsten Straßen gewundenen bergauf und bergab, immer zwischen 1000 und 250 Metern wechselnd. Das liegt daran, dass die Hauptstraßen den Tälern folgen und den Apennin von Nordosten nach Südwesten durchschneiden, wir jedoch von Südosten nach Nordwesten fahren, immer am Apennin-Kamm entlang und so von einer Talsohle über den nächsten Querkamm zum nächsten Tal auf- und absteigen. Zuerst macht es viel Spaß, aber als wir dann später wieder in die Emiglia Romana wechseln, der Himmel zusehend bewölkter wird und damit die Temperatur sinkt, wird es etwas anstrengend, zumal diese kleinen Bergsträßchen nicht gerade von guter Qualität sind. Verwerfungen und Schlaglöcher erfordern ein aufmerksames Fahren. Bei Regen möchte ich hier nicht unterwegs sein. Im Sommer jedoch, bei angenehmen Temperaturen, stelle ich mir genau diese Tour als eine ideale Strecke zum Motorradwandern vor.

Bei Gavigno fahren wir wieder über einen kleinen Pass mit einer Kapelle. Als wir anhalten, um ein wenig ins Land zu schauen, sehen wir, dass in der Kapelle weiße Sofas stehen. Das nutzen wir doch gleich, um uns ein wenig auszuruhen. Ein toller Service.

Bald darauf kommen wir wieder in die Emiglia Romana.


Pass am Monte delle Scalette mit …


… einem kleinen Steinhaufen, der aber …


… bei weitem nicht so bequem ist, wie die Sofas in der Kapelle.


Blick vom Pass zurück in die Toscana

Kurz darauf kommen wir am Lago di Suviano vorbei


Lago di Suviano

Immer, wenn wir glauben, dass die Kletterei jetzt ein Ende hat, weil wir wieder ein Tal mit gut ausgebauten Straßen erreichen, macht und das Navi einen Strich durch die Rechnung und lotst uns bald wieder von der Hauptstraße herunter und schwupps, windet sich wieder ein Sträßlein den Berg hinauf, meist sogar nur einspurig. Der Verkehr geht hier allerdings gegen Null.


Eine halbe Stunde nach dem Lago öffnet sich wieder ein Tal vor uns.

Aber es geht auch hier wieder hinauf und es dauert noch mal eine Dreiviertelstunde, bis wir in Pavullo ankommen, nun schon etwas müde. Da der Ort uns nicht als schön erscheint und er auch mit etwa 700 Metern recht hoch liegt und es kühl ist, beschließen wir, eine Pause einzulegen und noch weiter runter in die Po-Ebene in Richtung Maranello zu fahren und uns auf dem Weg dahin nach einer Übernachtung umzusehen.


Pause in Pavullo

Wir ergänzen noch unsere Vorräte in einem Supermarkt und in einem Imbiss in der Nähe essen wir zwei kleine Pizza und trinken zwei Kaffe für nur 5,20 Euro. Lange halten wir uns nicht auf und es geht wieder weiter. Einmal geht es noch etwas bergan und dann nur noch ins Tal. Die Straßen sind wieder gut und es tauchen auch mal Schilder auf, die zu Hotels weisen. Zweien davon folgen wir, finden aber beides mal das Hotel nicht. So erreichen wir dann doch Maranello, was ja gar nicht so schlecht ist. Bei der Suche nach einem Hotel kommen wir auch schon mal am Ferrari-Museum vorbei.
Nach einigen vergeblichen Anfragen (ausgebucht!) finden wir ein Zimmer im Hotel Domus, angeblich das letzte und zwar die Junior-Suite, die man uns gönnerhaft für 84 Euro überlässt, inklusive Garage und Frühstück,. Na denn. Die Suite entpuppt sich als ehedem fensterloser Raum, dem man eine zugig verglaste Veranda vorgehängt hat. Aber egal, das Bett ist gut, es gibt einen Tisch und Sessel, und ein Bad mit Whirlpool. Da poolt oder whirlt aber nix mehr und aus der Dusche kommt auch nur ein Rinnsal, wie wir später bemerken. Der ganze Kasten macht einen schlecht organisierten und etwas runtergekommenen Eindruck.
Solltet ihr also demnächst euren Ferrari in Maranello selbst abholen, steigt nicht im Domus ab!


Hotel Domus in Maranello

Wir machen jedenfalls erst mal einen Rundgang durch die Stadt und schauen uns schon mal das Ferrari-Museum von außen an. Rechts und links davon sowie gegenüber gibt es Autovermietungen, die – na was wohl? – natürlich Ferraris vermieten. Für einen halben Tausender darf man dann schon mal ein Stückchen aus Maranello rausfahren und sogar jemanden mitnehmen. Beifahrer kosten nämlich extra.
Ferrari-Devotionalien findet man lang und satt und wir kommen auch am alten, original erhaltenen Eingang des überraschend großen Werkes vorbei.


In Maranello, an sich eine recht nichtssagenden Stadt


Museo Ferrari, wo ich …


… dann doch mal das Cavallo Rampante am Huf kitzeln muss.


Ferrari-Vermietungen …


… und eine Preisliste


Das sicher bessere Haus am Platze, direkt …


… gegenüber dem alten Werkseingang.

Nach unserem Gang durch das an sich recht nichtssagende Maranello, das gegen Abend zunehmen ausgestorbener wird, sparen wir wieder ein wenig Geld und essen in unserer Suite.
Danach schaue ich noch ein wenig ins Internet. Besonders gut sind die Aussichten für den nächsten Tag nicht. Aber vielleicht haben wir Glück und können dem Regen davonfahren, der von Südwesten hereinzieht.




Karte 12. Tag

Grüße
Falcone

Falcone Offline




Beiträge: 109.203

08.05.2012 08:05
#55 RE: Falcones Reisen: Abruzzentour Ostern 2012 Antworten

13. Tag, Mittwoch, der 11.4.2012
Brescello, 87 km


Das Frühstück ist gut und unsere Beschwerden über das Bad werden lächelnd zur Kenntnis genommen. Egal. Wir starten um 10 Uhr und fahren gleich mal zum Ferrari-Museum, das wollen wir uns nun doch mal ansehen.
Das Wetter ist soweit ok, sogar die Sonne lässt sich mal blicken.
Gleich auf dem Parkplatz werden wir von einer Stimme angesprochen und als ich nach unten schaue, steht da eine klitzekleine hübsche junge Dame und erklärt uns, das man mit der Karte, die wir zu erwerben gedenken, auch in Mandello in ein Museum gehen kann und dass es damit da und dort Rabatte gibt, so auch beim Farrari-Verleih XY. Aha. Und überhaupt gebe es dort heute ein Sonderangebot, für 80 Euro dürfe man statt 10 Minuten 15 Minuten fahren und die werte Gattin darf auch mit. Aha, aha.
So verlockend es auch ist, mal Ferrari zu fahren, wir lehnen ab – und das lag natürlich nur daran, dass wir einfach das falsche Schuhwerk an hatten.

Nun, wir gehen in das Museum, berappen jeder 13 Euro und schauen uns Ferraris an, dazu Pokale und anderes an roten Dingen. In einer Walhalla sind die Siegerrennwagen von Schumacher im Kreis aufgebaut und alle Ferrari-Weltmeister werden in Wort und Bild vorgestellt. Dazu kann man am Computer verschiedene Geräuschkulissen abrufen, beim Start, bei voller Drehzahl, beim Überholen, beim Schalten in der Kurve etc. usw.
Für meinen Geschmack zu kurz kommen die historischen Ferrari, aber die sind wohl eher in der Privatsammlung in Modena zu sehen. Trotzdem war es nicht uninteressant.
Blöd war jetzt nur, dass es inzwischen angefangen hat, zu regen. Erst regnete es gar nicht so toll, aber bis wir unsere Sachen anhaben, schüttet es wie aus Kübeln. Schnell wieder hinein ins Museum und in die Cafeteria. Tja, da müssen wir wohl ein wenig warten.
Als es nicht nachlässt, ziehe ich mir die Jacke über den Kopf, renne zum Motorrad und hole den Tankrucksack, in dem sich auch schon etwas Wasser gesammelt hat. Nun habe ich mit Trockenlegen zu tun und wir trinken den zweiten Kaffee. Dabei schauen wir eine Gruppe von Jugendlichen zu, die zwar alle zusammen gehören, aber sowohl englisch als auch französisch und auch etwas italienisch sprechen. Ein Internatsausflug? Die Mädels am Devotionalienverkauf im Eingangsbereich haben alle Hände voll zu tun, denn bei dem Wetter will keiner raus und irgendwann kaufen alle was, ich habe mir für meinen Koffer einen völlig überteuerten Ferrari-Aufkleber geleistet.

Verkürzt wird uns die Zeit dadurch, dass uns Enzo Ferrari zu einer kurzen Audienz in sein Privatbüro läd, da er mich aufgrund meines Panda-Besitzes als kompetenten Gesprächspartner erkannt hat (dass es nur ein Marbella ist, habe ich ihm verschwiegen):




Nach gefühlten Stunden, laut Logger waren es nur knappe zwei, lässt der Regen nach und wir machen uns zur Abfahrt fertig. Es ist kurz vor 1 Uhr.


Formel 1-Walhalla


Weltmeistervergötterung


Ersatzmotor im Kofferraum unter Glas.


Fitnesstrainer für Rennfahrer (kein Scherz)


Speziell für unsere Tuningfreunde: Drosselklappen, die völlig aus dem Ansaugkanal verschwinden!


Den hätte ich mir durchaus einpacken lassen


Die Fahrt in die Poebene ist unspektakulär, anfangs etwas Regen, dann zunehmend trockener. Genervt hat nur, dass wir hinter Maranello auf eine Schnellstraße nur in der falschen Richtung auffahren können und wieder bis nach Maranello zurückkommen, bevor wir wenden können.

Um 14.30 kommen wir in Brescello an und fahren auch gleich auf den Marktplatz, wo wir von Don Camillo begrüßt werden



Wir stellen die Motorräder neben seiner Kirche ab und sehen uns ein bisschen um. Tatsächlich sind alle Gebäude noch so vorhanden, wie man sie aus den Filmen aus den 50er Jahren kennt. Leider vergesse ich völlig, ein paar Fotos zu machen. Schade.
Wir gehen zur Touristeninformation und werden dort von einer Deutschen empfangen. Im gleichen Haus ist eine Sonderausstellung zu den Dreharbeiten des Film im Kontext zu den wirklichen Zuständen damals. Ohne ihre Erklärungen, hätten wir vieles davon nicht verstanden. Ihre Erläuterungen dazu waren daher sehr erfreulich und hilfreich.


Kamera und Aufnahmegerät der damaligen Filmaufnahmen


Mit einem solchen Modell wurde damals im Film die Flut von Brescello simuliert


Zeitgenössische Aufnahmen: Don Camillo beim Melken und Beppone auf Allgeier-Porsche


Nur einen Steinwurf entfernt ist das richtige Don-Camillo-und-Beppone-Museum. Dank des Panzers davor kann man es kaum übersehen.


Das Museum


Diese GTV (Falcone-Vorgänger) im Eingang kennt wahrscheinlich jeder, der schon mal von dem Museum gehört oder gelesen hat, aber drinnen …


… gibt es noch eine Jawa California, deren Bedeutung ich noch nicht rausbekommen habe, und …


… Beppones Motoleggera, dazu …


… viele Filmplakate in allen Sprachen und …


… ein nachgestelltes Büro der damals herrschenden kommunistischen Partei.

Natürlich gibt es dort noch viel mehr, das die Herzen der Fans der Filme höher schlagen lässt, trotzdem stellten wir uns die Frage, wie lange das Museum noch überleben wird. Es existiert seit knapp 20 Jahren, aber der Personenkreis, der die Filme damals sah und der sich heute noch dafür interessiert, dürfte langsam deutlich kleiner werden.

Nach einer kleinen Runde durch den Ort mieten wir uns am Ortseingang in ein Hotel ein, denn es hat schon wieder begonnen zu regnen und so wollen wir nicht mehr weiterfahren.
Wir vertrödeln ein wenig die Zeit, und als es aufhört zu regnen, machen wir uns auf den Weg und suchen eine Pizzeria. Leider vergesse ich den Fotoapparat.
Gleich links neben der Kirche (in den Filmen gut zu sehen) gibt es eine kleine Pizzeria, die auch wieder in erster Linie einen Straßenverkauf betreibt und wir bekommen, wie auch in Querceta bei Carrara wieder für wenig Geld zwei riesige dünne, knusprige Pizzen direkt aus dem Ofen, die auch richtig gut schmecken. Besteck gibt es keines, man nimmt die Stücke in die Hand. Dazu ein 0,66er Bier. Fein.
Da der Himmel inzwischen klar geworden war, hoffen wir, dass das Wetter morgen auch gut sein wird. Internetzugangn haben wir leider keinen.


Karte Tag 13

Grüße
Falcone

Falcone Offline




Beiträge: 109.203

09.05.2012 09:44
#56 RE: Falcones Reisen: Abruzzentour Ostern 2012 Antworten

14. Tag, Donnerstag, der 12.4.2012
Po-Ebene, Gardasee und Brenner, 478 km


Tatsächlich wachen wir bei strahlend blauem Himmel auf, die Temperatur liegt zwar noch bei 0 Grad, aber es wird schnell wärmer, das Eis auf den Sitzbänken schmilzt in der Sonne. Wir starten schon vor 9 Uhr, was uns später zugute kommen soll.


Hotel in der Morgensonne

Geplant ist es, Christian und Jana am Gardasee in Tremosine zu besuchen und dort zu übernachten. Da es bis dort nur etwa 200 Kilometer auf geraden Straßen durch die Po-Ebene in die Lombardei sind, habe ich am Abend zuvor eine verlängerte Route am Iseo- und Idrosee vorbei und entlang des Lago Valvestino geplant. So kommen gut 300 Kilometer zusammen, was bei dem schönen Wetter eine gute Tour sein sollte.


Kleine einspurige Brücke über einen der zahlreichen Wasserläufe bei Calvatone mitten in der Po-Ebene

In Cigole, nicht mehr so weit von Brescia entfernt, mach wir eine Pause und kehren in eine Bar ein. Es ist noch immer ziemlich frisch, denn inzwischen fahren wir durch ein zähes Nebelfeld. Sonst hätten wir bestimmt draußen gesessen, was sicher später für uns nicht so gut gewesen wäre. Die Bar war ziemlich voll mit älteren Herren und wir setzten uns in einen Nebenraum. Dort stand ein Computer. Er war in Betrieb und ich schaute in den Wetterbericht. Was ich da sah, war gar nicht erfreulich: Schon in der kommenden Nacht wurde für die Alpen ein Wettersturz vorhergesagt, Regen und Schnee auf dem Brenner.


Halt in Cigole


Wir beratschlagten und Henny empfahl das einzig Richtige: Obwohl es uns leid tat, bei Christian nicht mehr zeit verbringen zu können, beschlossen wir, ihm nur einen kurzen Besuch auf einen Kaffee zukommen zu lassen und gleich noch weiter am selben Tag über den Brenner zu gehen. Dadurch, dass wir so früh gestartet sind, sollte es möglich sein, das zu schaffen.
Also dem Navi erzählt, dass es uns jetzt auf schnellem Weg (ohne Autobahn) bis Saló leiten soll. Ab dort hatte ich noch die die alte Tour zu Verfügung.
Nach unserem Aufenthalt in der Bar hat sich der Nebel aufgelöst und bald kamen auch schon bei herrlichstem Postkartenwetter die ersten weiß bepuderten Gipfel der Alpen in Sicht.


Die Alpen kommen in Sicht: Postkartenwetter. Rechts der Montebaldo

Noch ein kurzer Halt in Saló, um die Tour zum Christian zu laden und bei Piovere verlassen wir die Occidentale und biegen ab auf die Serpentinenstrecke über die Berge nach Vesio, wo wir vor Christians Haus um 13.40 eintreffen. Christian ist noch mit dem Hund unterwegs und Jana nimmt ns erst mal in Empfang. Beide bedauern, dass wir nur kurz bleiben wollen, verstehen es aber aufgrund der Wetterlage. Und so bleibt es bei einem Kaffee und einer schnellen Hausbesichtigung (toll, was Christian und Jana da geleistet haben) und schon sind wir wieder auf Tour, auf direktem Weg runter auf die Seeuferstraße und ab nach Riva.


Blick über den Lago nach Norden und …


… nach Süden


Und ein Blick, ähnlich dem, wie ihn Christian aus den Bergen auf den See hat


Vor Christians Haus (das mit den grünen Läden)


Noch ein letzter Blick auf den See

Bei Salurn machen wir in einem Imbiss noch mal eine Pause und nehmen dann den Brenner in Angriff, bleiben aber auf der Landstraße, die sich ja auch zügig fahren lässt. Im Verhältnis zu einigen Pässen in den Abruzzen ist der Brenner ja nicht so hoch und so fällt die Temperatur auch nur auf 4 Grad. Bald erreichen wir Innsbruck und tanken noch mal günstigen Sprit. 1.50 Euro im Vergleich zu 1,90 macht sich auch beim Motorrad bemerkbar, wenn wir auch auf der Reise nur einen Durchschnittsverbrauch von 3,8 Liter haben. In Innsbruck ist es noch angenehme 14 Grad warm, aber leider sehen wir hinter Innsbruck kein Hotel mehr am weg und so müssen wir noch über den Seefelder Sattel (1200 m) und fahren bis Mittenwald, wo wir dann endgültig die Tagesfahrt beenden. Der Osrt wirkt sehr ausgestorben, die meisten Hotels sind dunkel. Im Erstbesten, in dem noch Licht brennt, fragen wir erfolgreich nach einem Zimmer. Kein Wunder, es ist lediglich ein weiteres Zimmer belegt. Da im Haus, welches recht lieblos geführt wird, die Küche schon geschlossen hat und der Wirt auch keine Lust zu verspüren scheint, trotz Anfrage etwas zu essen zu machen (ein paar Brote hätten es ja getan), essen wir unseren Vorrat auf und trinken noch ein Weizenbier im Gastraum, wo sich eine Fußballmannschaft trifft und von seinem Trainer ins Gebet genommen wird. Wir hören alles mit amüsieren uns köstlich.


Karte 14. Tag

--------------------------------------------------------------

15. Tag, Freitag, der 13.4.2012
Heimfahrt, 515km


Wir starten bei Nieselregen und 4 Grad um 9.30 Uhr, das Frühstück war mäßig, deutsch (Käse, Wurst, Marmelade) und einfallslos. Über Augsburg und Würzburg fahren wir auf gut ausgebauten Straßen auf ziemlich direktem Weg nach Hause. Ab Augsburg wird es wärmer und bei Temperaturen von bis zu 12 Grad bei Würzburg kommen wir gegen 19 Uhr etwas müde aber zufrieden zu Hause an. Der größte Teil der heutigen Fahrt verlief trocken. 4300 Kilometer liegen hinter uns.
Trotz des nicht immer einwandfreien Wetters und der vor allem in der zweiten Woche arg niedrigen Temperaturen hat uns die Fahrt großen Spaß gemacht uns es hat sich wirklich gelohnt, den Abruzzen einen Besuch abzustatten.


Start bei Nieselregen und letztes Foto von der Fahrt


Karte 15. Tag


Abgepackt und dreckig – nun muss erst mal geputzt werden

Grüße
Falcone

Nisiboy Offline




Beiträge: 5.605

09.05.2012 09:58
#57 RE: Falcones Reisen: Abruzzentour Ostern 2012 Antworten

Schade, schon wobei.

Vielen Dank für einen – mal wieder – schönen Reisebericht.

Ich freu mich drauf, wenn Ihr Euer nächstes Ziel in Angriff nehmt.

Grüße aus dem Norden

Nisiboy

radmanni Offline




Beiträge: 204

09.05.2012 19:44
#58 RE: Falcones Reisen: Abruzzentour Ostern 2012 Antworten

Toll, da kann ich nur von träumen.
Radmanni

Schornsteinfeger helfen

Soulie Online




Beiträge: 29.047

09.05.2012 22:59
#59 RE: Falcones Reisen: Abruzzentour Ostern 2012 Antworten

Jooo!
Das Bild von euch beiden vor meiner Hütte
reiche ich noch nach. Das hab ich auf'm Laptop,
nicht hier in HH.

Grüße
Soulie

piko Offline




Beiträge: 16.462

10.05.2012 09:28
#60 RE: Falcones Reisen: Abruzzentour Ostern 2012 Antworten

Zitat von radmanni
Toll, da kann ich nur von träumen.


Träume nicht dein Leben ... lebe deinen Traum!
C) Bruno Dötsch

piko

warum einfach, wenn's auch kompliziert geht

Seiten 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6
 Sprung  
Der-Amazon-LinkW650 ForumAsbest
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen
Datenschutz