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Dieses Thema hat 4 Antworten
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 Reiseberichte / Motorradgeschichten
tom_s Offline




Beiträge: 4.365

23.05.2020 00:07
Tom's Reisen - Nie mehr Indien oder doch? Antworten

Hallo Zusammen,

eigentlich werden Reiseberichte ja im Herbst/Winter geschrieben und nicht im Frühsommer. Aber da momentan so ziemlich alle meine Reise-Planungen, privat wie beruflich, Makulatur durch Corona sind, habe ich mich entschlossen, einen kleinen Reisebericht über meine Indien-Reise 2018 zu basteln.




Vorbemerkung

Das erste Mal in Indien und damit überhaupt in Asien war ich in 2014. (Ohne W durch Rajasthan)
Bereits damals hatte ich im Fazit nicht ausgeschlossen, dass es mich vielleicht doch noch mal nach Indien ziehen könnte, dann aber entweder nach Nepal, also in den Norden oder in den Süden.
Wie es dann letztlich zur konkreten Entscheidung kam, kann ich heute nicht mehr genau sagen. Einerseits spielte sicher der Termin im Frühjahr, also vor der europäischen Motorrad-Saison eine Rolle, zum anderen hatte ich auf dem Jahrestreffen von Wheel of India von anderen Teilnehmern tolle Reiseberichte aus dem Süden gesehen.

So entschied ich mich für die Tour „Coast to coast“, mit dem speziellen Highlight einer Werksbesichtigung bei Royal Enfield in Chennai.
Da meine Kumpels von der 2014er Reise entweder keine Zeit oder auch keine Lust mehr auf Indien hatten, fuhr ich also „alleine mit lauter Fremden“.


Mittwoch, der 31.01.2018

Der große Tag ist da. Irgendwie hat mir in den letzten Wochen die Aufregung oder Vorfreude gefehlt, an die ich mich bei der Indienreise in 2014 noch gut erinnern kann.
Woran das liegt, keine Ahnung, vielleicht weil es einerseits nicht mehr „zum ersten Mal“ ist oder vielleicht weil ich diesmal alleine reise?

Ich bin früh am Flughafen, der einkalkulierte Stau ist ausgeblieben. Einchecken geht schnell und nachdem auch mein nur minimal zu schweres Gepäck aufgegeben ist, gehe ich zum Gate. Security geht ohne Schuhe ausziehen. Den höheren Sicherheitsbedarf der Inder merkt man aber daran, dass am Eingang zum Terminal C ein indischer Kontrolleur noch mal das Visum kontrolliert. (Das wird in Delhi noch lustiger werden.)

Im Warte-Bereich bin ich gefühlt einer von 5 Nicht-Indern unter den Passagieren. Das Boarding dauert ewig, wird aber nicht erklärt. Evtl. streikte die Technik, denn irgendwann ist der Knoten geplatzt.

Der A380 ist ein Tanzsaal von Flugzeug, ich werde nach hinten-oben geschickt. Der Start erscheint etwas schwer-fällig, im Flug ist der Riesenvogel aber sehr ruhig. Die Flugzeit von 7:40 erscheint erschreckend, man hat aber mit Essen, Trinken und dem sehr komfortablen Entertainment-System in der Rückenlehne genug zu tun.

In Delhi hole ich meinen Koffer ab und tausche schon mal die ersten 50€ um, danach muss ich durch die „Immigration“. Die Schlangen an allen Schaltern sind ewig lang und das Procedere dauert bei vielen ebenso lang, weil die Fingerabdrücke erfasst werden und das oft nicht gleich funktioniert. Meine werden nicht erfasst, vermutlich weil sie die vom letzten Mal noch haben. Mittlerweile bin ich echt froh, über 3 Stunden zwischen den Flügen Zeit zu haben.

Nach der eVisum-Kontrolle geht es raus in den nationalen Airport wo ich aufs Neue einchecke, genauer gesagt bin ich ja „durch gecheckt“, mein Gepäck muss ich aber neu aufgeben. Eine letzte kurze Irritation, als ich von einem Uniformierten nach erneuter, strenger Kontrolle meines Visa-Stempels wieder in den internationalen Teil zurückgeschickt werde. Die Plakate die das ansagen, und die ich nicht gesehen habe, lassen vermuten, dass es eine längerfristige Maßnahme evtl. wg. der Bauarbeiten ist. Als ich dann endlich am letzten Gate sitze, sind von meinen 3:20 Aufenthalt kaum noch 40 Minuten übrig geblieben.






Donnerstag, der 01.02.2018

Der Flug von Delhi nach Trivandrum im A320 ist dann wieder eher normal, die Maschine ist nicht ganz ausgebucht und jetzt bin ich wirklich einer von 5 Nicht-Indern.
Es gibt nochmal Essen, was ich nach einigem Zögern nehme. Schmeckt irgendwie indisch, ist aber nicht besser als bei der deutschen Lufthansa. (Der Ort heißt eigentlich Thiruvananthapuram, das ist aber selbst den Einheimischen zu lang.)

So langsam werde ich aber müde, nun bin ich bald 24 Stunden auf den Beinen.
Der erste Eindruck in Trivandrum ist der Hammer der Temperaturen und Luftfeuchtigkeit, ob wohl es erst früh morgens ist.

Ich finde schnell meinen Abholer und so fahren wir in einem robusten Suzuki ins Hotel. Die Fahrt ist relativ gruselig und versuche neben der Müdigkeit nun noch die aufkeimende Übelkeit in den Griff zu bekommen. Im Hotel checke ich dann schnell ein und beziehe mein klimatisiertes Zimmer, räume etwas aus und lege mich nach einer Dusche erstmal für ein paar Stunden hin.

Gegen 18:00h gehe ich mal ein paar Schritte vor das Hotel, komme aber nicht weit, denn nach wenigen Metern laufe ich unserem Guide Abdul in die Arme. Er erkennt mich wieder, vielleicht auch nicht so schwer unter all den Einheimischen, und stellt mir seine Söhne vor. Rouf, der ältere, wird unsere Gruppe führen. Wie ich beim Abendessen feststellen darf spricht er ein tolles Deutsch, das wird manches einfacher machen.

Ich lerne dabei den Rest der Gruppe, einen Schweizer, einen Deutschen der in der Schweiz lebt und ein Paar aus Süddeutschland kenne. Wir gehen in ein Freiluft-Lokal unweit des Hotels und essen wirklich lecker zu Abend. Es dominiert Vegetarisch und Fisch, letzter ist klasse gegrillt.

Morgen starten wir um 14:30h zu einer kurzen Rundtour von 50km, wohl auch um sich mit den Maschinen vertraut zu machen. Bin gespannt wie ich nach 4 Jahren mit dem Ankicken zurechtkomme.



Freitag, der 02.02.2018

Es war eine warme Nacht, aber die Klimaanlage ist einfach sehr laut, selbst für mich, daher habe ich sie irgendwann abgeschaltet.
Das Frühstück ist wie gehabt gewöhnungsbedürftig. Es gibt etwas Obst, vermutlich Mango, danach Toast mit Marmelade. Danach kommt je nachdem, wie der Kellner die Bestellung verstanden hat, Omelette oder Marsala-Omelette. Der Tee (mit Milch in der Kanne) ist bitter, es gibt aber Zucker. Man wird sich daran gewöhnen.

Wir fahren kurz nach 14:30h los, allerdings hatte Abdul kurz vorher noch bemerkt, dass der Vorderreifen meiner Maschine kaum noch Profil hatte und einen seiner Jungs um Wechseln geschickt. „Five minutes“ meint er und es dauert wirklich kaum länger, vermutlich haben sie einfach das ganze Rad getauscht.

Also fahren wir los, ich als letzter. Die Maschine lief noch, also wird das erste Mal ankicken vertagt. Wir fahren ein Stück die Küste entlang, meist die mir noch aus 2014 in Erinnerung gebliebenen Dorfstraßen. Dachte ich gestern beim Ankommen noch, die Gegend wäre etwas entwickelter und die Straßen besser, so hat sich der Eindruck bald verflüchtigt. Schlaglöcher und Sand, dazu der Gegenverkehr. In besonders Highlight ist der Bahnübergang, an dem wir in der Sonne brütend warten. Gefühlt sind es 20 Minuten, es waren dann aber doch nur 8.


Wir kreuzen einige Flüsse


Wir müssen uns alle erst mal mit den Ennies vertraut machen.


An einem Tempel machen wir einen kurzen halt und Abdul erzählt, dass es en Tempel der Göttin Kali sie, der Zerstörerin, angesichts der blutigen Szene eine überflüssige Erklärung.


Daneben dann der allgegenwärtige und freundliche Elefantengott Ganesha.


Überall fielen wir Langnasen auf und wurden bestaunt.

Für morgen hat Abdul Frühstück um 7:00h und Abfahrt um 8:00h angesagt, angesichts der Hitze eine gute Idee.
Die Startzeiten für morgen (und wohl der Standard für längere Etappen) ist von Rouf auf 7:30h Frühstück und 8:30h Abfahrt festgelegt worden. Da sprechen Vater und Sohn auch nicht immer die gleiche Sprache.
Morgen geht es in den äußersten Süden Indiens.


Samstag, der 03.02.2018

Wir fahren ebenso pünktlich los, diesmal allerdings mit 2 Guides und dem Begleitfahrzeug. Die Strecke führt nach Süden, wir fahren also zunächst fast die gleiche Strecke wie gestern.
Die Qualität der Straße ist unterschiedlich und schwankt zwischen schlecht und miserabel. Schlaglöcher bis zu knöcheltief und die Bumper, die man langsam überfahren muss, damit es einen nicht zerreißt.

Die Fahrt geht recht flott bzw. es wird relativ schnell gefahren, außerdem wird teilweise sehr ambitioniert überholt. Bei solch einer Gelegenheit, als wir unnötigerweise in einer Engstelle zwischen einem Bus und einer Mauer durchwollen und dabei aufs Bankett geraten haut es Thomas direkt vor mir hin. Ich bin zu nah dran und die miesen Bremsen erledigen den Rest ich touchiere leicht das schon liegende Fahrzeug. Er steht gleich wieder auf, da wir ja sehr langsam waren, durch den Sturz ist der Schalthebel verbogen, und ich habe ihm das hintere Schutzblech eingedrückt. Da sich das ohne Werkzeug nicht beheben lässt, warten wir einige Zeit auf den Servicewagen.


Schnelle Reparaturen am Straßenrand


Pause am Melonenstand


Das Rückgrat des indischen Individualverkehrs


Farbtupfer inmitten des Staubs


Pause am Melonenstand


Pause am Melonenstand, wahlweise auch als Kokosnuss


An der Südspitze Indiens


Kap Komorin


Strand von Kanyakumari

Rouf erzählt uns von den beiden Tempeln die es hier zu besichtigen gibt.
Thomas und ich beschließen den Tempel auf der Insel zu besuchen, eilen uns entsprechend da das letzte Boot dorthin in 30 Minuten gehen soll. Wir finden den Fähranleger und bald stehen wir in einer langen Schlange als vermutlich einzige Europäer. Entsprechend groß ist die Neugier, es sind ein paar Schulklassen dabei alle sehr dunkelhäutig wie die meisten hier im Süden.


Queuing

Die Überfahrt ist zum Glück sehr kurz, dafür sehr schaukelig, jede größere Welle wird vom Publikum mit Hallo gewürdigt.
Wir schauen uns den Tempel an, uns sagt er nicht viel, dafür entschädigt der grandiose Ausblick auf Stadt und Küste.


Kurze Überfahrt zum Vivekananda Rock Memorial


Inder lassen sich gerne fotografieren


Das Memorial


Junges Glück


Auch hier geht nichts ohne Smartphone


Schulausflug mit Touristen-gucken


Das Memorial



Gruß
Thomas

truwi Offline




Beiträge: 2.156

23.05.2020 07:34
#2 RE: Tom's Reisen - Nie mehr Indien oder doch? Antworten

Sehr schön 😍
Da waren wir ja zur gleichen Zeit in Indien...,
Es werden Erinnerungen wach. Freue mich auf die Fortsetzung

tom_s Offline




Beiträge: 4.365

23.05.2020 16:51
#3 RE: Tom's Reisen - Nie mehr Indien oder doch? Antworten

Sonntag, der 04.02.2018

Der Frühstücksraum liegt im 7ten Stock und man hat einen tollen Ausblick über die Bucht und die vorgelagerte Insel. Das Frühstück ist als Buffet ausgelegt und man hat die Wahl zwischen dem bekannten kontinentalen Toast oder dem typisch indischen mit Fadenbrot und Gemüse. Ungewohnt für uns, wer aber cooked breakfast kennt, tut sich leichter damit.


Strand am Morgen


Blick aus dem Frühstücksraum im 7ten Stock


Richtung Südpol

Wir starten pünktlich und die Fahrt geht zunächst durch die hektische Stadt und danach durch kilometerlange Windpropelleranlagen. Die Dinger sind kleiner als bei uns und wohl auch weniger aufwändig dafür sind es sehr viele.
Über die Tour ist wenig zu sagen, da es fast nur geradeaus geht, wir recht schnell fahren und fast nur über eine Art Autobahn.
Erwähnenswert ist das Mittagessen in einer der typischen „Raststationen“, wo es das Essen auf einem Palmblatt gibt. Reis und diverse Gemüse und Saucen. Lecker und wer mag, isst landestypisch mit den Fingern.


Pause an einem der typischen „Outdoor-Restaurants“

Wir sind zeitig im Hotel und haben genug Zeit zum Ausspannen, der Pool auf dem Dach ist nicht wirklich einladend. Um 16:30h treffen wir uns fahren mit zwei Tuctucs zum größten Hindutempel des Landes. Rouf ist nicht selbst dabei, sondern delegiert an seinen Bruder. Am Tempel erwartet uns ein Führer und wir müssen unsere Kameras in einem Laden abgeben. Die Schlange am Tempeleingang ist sehr lang, wir werden von unserem Führer aber daran vorbei bugsiert, was nicht von allen Einheimischen begrüßt wird.
Der Tempel ist unglaublich riesig und recht voll. Irgendwie empfinde ich das Gewimmel wie eine Mischung aus fanatischer Religiosität und einem Wochenend-Ausflug.


Hindutempel in Madurai


Hindutempel in Madurai


Hindutempel in Madurai


Hindutempel in Madurai

Unser Führer hat etwas diktatorische Neigungen und scheucht uns wie eine Schulklasse herum, außerdem hat er ein sehr ausgeprägtes Selbstbewusstsein.
Die Götterwelt der Hindus ist unüberschaubar und sein schnelles und abgehacktes Englisch macht es nicht einfacher, ihn und die Zusammenhänge zu verstehen.
Jedenfalls bin ich froh, als wir nach einer Stunde unsere Sachen wieder abholen und mit den nächsten Tuctucs zum Abendessen fahren. Das Restaurant legt auf dem Dach eines Hotels, so etwas hatten wir in Rajasthan auch. Das Essen ist ähnlich wie mittags nur statt Palmblatt gibt es ein gefülltes Fladenbrot.



Montag, der 05.02.2018

Wir haben den Eindruck, dass die Hotels immer besser werden, zumindest für das Frühstück in Madurai trifft das zu. Nicht nur das freundliche Personal und der ansprechenden Frühstücksraum, sondern vor Allem die Option, teilweise westlich zu frühstücken, sind angenehme Unterschiede zu vorherigen Hotels.
Zwischendurch haben wir eine ärgerliche Nachricht erhalten, Royal Enfield hat unsere Besichtigung, und wie wir später erfahren, auch alle anderen für die nächsten Wochen kommentarlos gestrichen. Bei allen ist die Enttäuschung groß, einzelne hatten die Reise vorrangig deswegen gebucht. Mal sehen, was wir jetzt mit den nahe Chennai geplanten Übernachtungen machen.
Die Fahrt an sich ist wie gestern kaum Berichtens wert, denn es geht lange Zeit übe eine Autobahn und als wir diese verlassen, übe eine überraschend gut ausgebaute Landstraße. Da diese aber auch Mautstationen hat, ist es wohl eher ein zweispuriger Highway.
Unterwegs gibt es noch mal einen Stopp an einer Hüte, wo zwei Frauen Cashew-Nüsse verkaufen. Die scheinen direkt dahinter zu wachsen und eine schält sie mühsam von Hand, während die Jüngere, vermutlich die Tochter, den Verkauf managet. Die Kleine ist vermutlich noch keine 14, macht das aber schon sehr professionell.


Cashew ganz frisch


Cashew ganz frisch

Bereits kurz nach 14:00h erreichen wir unser nächstes Hotel.
Da die Zimmer noch nicht fertig sind, sitzen wir etwas planlos im leeren Restaurant herum und trinken etwas. Essen mögen die meisten nichts, da wir eigentlich erst ins Zimmer und unter die Dusche wollen.
Nach dem Einchecken verabreden wir uns zu einem Gang in die Stadt Thanjavur und zum berühmten Tempel der ja angeblich neben dem Hotel liegen soll. Nach einigen 100m auf der Straße ohne jeden Gehweg, beschaffen wir uns ein Tuctuc und lassen uns zum Tempel fahren. Das werden dann doch ein paar Kilometer, d.h. zu Fuß wäre das lang geworden.



Es wird viel Zeitung gelesen


Schon die Jungend hat die Ruhe weg.


“Mädelsausflug“


“Mädelsausflug“

Der Tempel ist eindrucksvoll, wenn auch nicht so groß wie der gestrige. Es ist kein echter Touristenbetrieb, entsprechend fallen wir auf.


Hindutempel


Familienausflug


Familienausflug


Hindutempel


Ganz wichtig sind die Fotos für die lieben zuhause (oder für Facebook)


Anstrengend

Wir lassen uns von einem Tuctuc in das Zentrum fahren und in ein Restaurant wo es Tee und Kaffee geben soll. Kaffee zwar nicht, dafür ein paar leckere Kleinigkeiten aus der heißen Theke und eine Lassi.


Einkaufsstraße


knurrig


freundlich

freundlich

Das Abendessen im Hotelrestaurant ist soweit OK, da wir alle selbständig bestellen wollen/müssen, ist der eine oder andere Fehlgriff dabei. Es ist aber OK
Insgesamt sind die Hotels nach indischen Standard hochwertig, Sauberkeit und Details darf man nicht an unseren Maßstäben messen. Alle waren bislang klimatisiert, daher kam mein Mückennetz noch nicht zum Einsatz.



Gruß
Thomas

tom_s Offline




Beiträge: 4.365

25.05.2020 22:08
#4 RE: Tom's Reisen - Nie mehr Indien oder doch? Antworten

Dienstag, der 06.02.2018

Ähnlicher Verlauf wie gestern, nur dass es heute mit der Mittagspause klappt und wir deshalb nicht zu früh im Hotel sind.

Nachmittags gehen wir zu fünft in die Stadt und schauen uns die Märkte an, bunt, pittoresk und ziemlich dreckig.
Am Ende erreichen wir die Promenade am Golf von Bengalen und das französische Viertel. Wir trinken etwas und lassen uns danach in einem altersschwachen Tuctuc zum Hotel zurückfahren.

Das Abend-Essen ist ganz lecker, der Service ausbaufähig, selbst unser indischer Guide ist leicht genervt.

Morgen wird nicht gefahren, wir besichtigen die Stadt mit Tempeln und französischen Spuren.


Sieht von vorne klein aus, hat aber hintenraus ein unendliches Ersatzteillager


Unser Mitreisender ist fassungslos wg. Der kleinen Preise. Der Auspuff kostet irgendwas um die 12€


Im Basar gibt es zahlreiche Stände, die nur Blüten verkaufen


Für die vielen religiösen Anlässe werden Unmengen davon verbraucht


Leider gibt es kein Geruchs-Internet


In den Gassen der Gewürzhändler kann man leicht schwindlig werden




Mittwoch, der 07.02.2018

Das Frühstück ist lecker, es gibt sogar Cappuccino aus einem riesigen Automaten, den eine charmante junge Frau bedient, das Essen ist indisch aber anders als das „Abendessen-nur-morgens“ der bisherigen Hotels.

Kurz nach 10:00h starten wir dann in einem Taxi. Das mit den Tempeln habe ich wohl falsch verstanden, wir fahren einige Kilometer aus der Stadt raus nach Auroville (https://www.auroville.org/).
Das ist ein Versuch, andere Formen des Zusammenlebens auszuprobieren also im weitesten Sinne etwas esoterisch-spirituelles.

Es gibt eine Art Park in dem ein außergewöhnliches Bauwerk steht. Das (oder der?) Matrimandir ist eine Kugel mit der Form einer Blüte, wenn man die außen liegenden Anlagen mit betrachtet. Innen scheint es eine Art Halle oder Saal zu sein. Betreten ist ohne Voranmeldung nicht möglich (sagt Google), es gibt aber einen schön angelegten Viewpoint, von dem aus man es wunderbar betrachten kann.

Wieder zurück gehen wir bis an die Uferpromenade quer durch die Stadt. Die normalen hektischen Straßen wechseln sich mit auffällig ruhigen Nebenstraßen ab. Die „white city“ ist deutlich schöner und sauberer, vermutlich wohnen hier auch heute die besser gestellten Bewohner, denn es gibt teilweise hübsche Häuser, zumindest im Vergleich zu den sonstigen Wohnbaracken.


Im Park von Auroville


Im Park von Auroville


Matrimandir


Matrimandir


Es gab mehrere Enfield-Händler in der Stadt


Schlüsseldienst


In der "white city" - Hier hat lange niemand mehr das Unkraut weg gemacht



Gruß
Thomas

tom_s Offline




Beiträge: 4.365

Gestern 20:22
#5 RE: Tom's Reisen - Nie mehr Indien oder doch? Antworten

Donnerstag, der 08.02.2018

Frühstück wie gestern, der Startermin 9:45h statt 9:30h geht irgendwie an mir vorbei, sodass ich als erster an den Maschinen bin.

Die Fahrt geht nach Norden, nicht weit von der Küste, von der wir aber wenig sehen.

Unterwegs machen wir Halt an einer Salzsaline. In großen Feldern verdunstet in der heißen Sonne das Salzwasser aus dem nahen Meer. Das getrocknete Salz wird dann ausschließlich mit Muskelkraft und fast nur von Frauen in Säcke gefüllt und dann auf LKW gewuchtet.

Laut Plan wären heute nur 130km angesagt, wir erreichen das Hotel aber schon nach wenig mehr als 95km. Die Anlage ist im zweigeschossigen Bungalow-Stil gebaut und erinnert mich an Rajasthan. Große, klimatisierte Zimmer mit einem Balkon sind prima um die vermutlich doch etwas Inhaltsleeren nächsten 2 Tage angenehm zu verbringen.

Nach einer kurzen Pause gehen wir 5 zu Fuß in den nahen Ortskern. Die Stadt ist relativ klein und erscheint mir auch etwas ruhiger, wenn man von der Hauptstraße absieht. Zunächst besichtigen wir eine in den Berg gehauene Tempel-Anlage Da wir die Angebote eines Führers ablehnen, kann ich wenig zum der Anlage sagen, große Schilder, die bei Missbrauch Strafen androhen, zeigen jedoch, dass ein wichtiges, indisches Kulturdenkmal ist.


Salzabbau auf die altmodische Art



Die schwere Arbeit wird hauptsächlich von den Frauen gemacht



In riesigen Becken verdunstet das Salzwasser



Hier treffen wir ausnahmsweise mal eine indische Touristengruppe




Freitag, der 09.02.2018 und Samstag, der 10.02.2018

Ursprünglich sollten wir heute das Royal Enfield Werk besichtigen inkl. Begrüßung durch irgendein hohes Tier. Außerdem sind ungefähr auf der Hälfte der Reise, sodass ein weiterer Ruhetag eingeplant war.

Durch den Wegfall der Besichtigung entsteht nun ein ziemlich großes „Loch“. Den Freitag verbrachte jeder nach eigenem Gutdünken, meist mit Baden im nahen Golf von Bengalen oder mit kleinen Ausflügen.

Am Samstag hatte unser Guide eine Art von Notprogramm auf die Beine gestellt. Wir fahren zu der nur wenige Kilometer entfernten Krokodilbank. Das ist eine Art Zoo oder Aufzuchtstation für die unterschiedlichen Arten von Krokodilen Ganz interessant gemacht und gut aufbereitet, wir erleben einige Schulklasse, die offenbar heute (am Samstag) einen Ausflug machen.

Nachmittags verbringen wir dann am Pool und bringen so den letzten Tag hier auch noch herum. Morgen wird endlich wieder gefahren, die angeblichen 350km haben sich mittlerweile aber auf 310km reduziert.



Sonntag, der 11.02.2018
Wir starten um 8:30h und fahren eine etwas andere Strecke als auf der Herfahrt vor 3 Tagen. Ehrlicherweise bin ich mir da erst sicher nachdem ich die tracks am PC gesehen habe, denn die Dörfer sehen sich alle so ähnlich, dass es genauso gut die gleiche Strecke hätte gewesen sein.

Wir machen eine Pause mehr, mehr ist über die Fahrt nicht zu berichten. Es geht fast nur über den Highway was hier für den Verkehr nichts heißt denn auch auf dem Highway kommen uns Fahrzeuge auf der falschen Spur in Massen entgegen. Es wird rechts und links überholt und an den künstlichen Verengungen staut sich alles in Klumpen. Wir schwimmen fröhlich mit und haben (fast) alle Unarten der Inder übernommen.

Es ist sehr warm, während der Fahrt ist es aber erträglich. Nach der Mittagspause sind eigentlich alle zu müde zum Fahren, wir schaffen den Rest aber und auch die hektische Stadtdurchfahrt bis zu unserem Hotel klappt.

Das Hotel ist relativ hochwertig, man merkt es auch daran, dass wir erstmals fürs Internet zahlen müssen. Nach 3 Tagen offline ist mir das egal.

Nach Duschen und etwas erholen, gehen wir in die Stadt bzw. lassen uns mit dem Tuctuc zu einem Markt fahren.


Die beiden waren sichtlich stolz auf ihre flamm-neue Enfield



Unterwegs auf dem Markt



Unterwegs auf dem Markt



Unterwegs auf dem Markt



Unterwegs auf dem Markt



Tempelanlage auf dem Berg - natürlich nur zu Fuß erreichbar



Montag, der 12.02.2018

Das Frühstück ist ähnlich reichhaltig wie das Abendessen, ich esse jedoch nur Toast und Marmelade und ein kleines Omelett. So langsam wird mir das indische Frühstück zu viel.

Wir starten um 10:00h am Hotel mit zwei Tuctucs, die uns an die gleiche Kreuzung bringen wie gestern Nachmittag. Von da geht es bis zum Eingang des Tempels wo auch der Aufstieg auf das Rock Fort beginnt. Es heißt wieder Schuhe ausziehen. Der Anstieg ist zum Glück nicht sehr lang, die letzten Meter bis zum eigentlichen Tempel sind aber keine richtigen Treppen, sondern in den Felsen gehauene Stufen, teils schief und alles andere als einfach, gerade als ungeübter Barfußgeher.

Im Tempel selbst soll nicht fotografiert werden, da dort die Gläubigen sich eine Art Feuersegen abholen. Man hat von oben aber einen tollen Rundumblick auf die Stadt.

Als wir wieder unten sind, fahren wir zu der großen Tempelanlage auf der Flussinsel. Dort erwartet uns ein Führer. Wir betreten die Tempelanlage durch eines der prachtvollen Tore und gehen relativ flott weiter, da der Tempel um 12:00h schließt. Der Führer spricht das schwer verständliche Indien-Englisch gemischt mit einigen Brocken deutsch, die kaum besser zu verstehen sind.

Insgesamt hat die Tempelanlage, oder besser Tempelstadt, sieben Ringmauern, die innersten 3 sind nur für Hindus zugänglich.

Die Tempel sind wirklich sehr eindrucksvoll, gerade die farbenfrohe Bemalung ist schön. Die natur-farbenen Teile, so erfahren wir, sind noch nicht restauriert, die bunten fertig bemalt. Das ganze Ding in dem Zustand zu halten, muss ein Vermögen kosten.

Den besten Blick hat man von einem Tempeldach auf das wir nach Bezahlung einer kleinen Gebühr (für Mensch und Kamera) hinaufdürfen. Irgendwann sind wir aber froh, dass er noch andere Verpflichtungen, sprich Kunden hat, und verabschieden uns nach Zahlung von 1000 Rupies.

Draußen trennen wir uns nach kurzer Abstimmung. Da meine Motorradbrille kaputtgegangen ist, will ich bei den Motorradhändlern der Stadt nach einer neuen suchen. Leider bin ich nicht erfolgreich weder bei Yamaha, Honda noch bei Royal Enfield und erreiche durchgeschwitzt das Hotel mit einem Tuctuc, dessen Fahrer nicht lesen kann und sich meine Visitenkarte von einem Passanten vorlesen lassen muss.

Insgesamt ein schöner, wenn auch anstrengender Tag. Morgen geht es wieder auf die Motorräder und wir haben jetzt zweimal hintereinander nur eine Nacht.


Thayumanaswami Temple, Rockfort


Thayumanaswami Temple, Rockfort


Vermutlich eine Art von Gebetsbaum


Thayumanaswami Temple, Rockfort


Von oben hat man einen wunderbaren Blick auf die Stadt


Den auch diese beiden Schönheiten genossen bzw. auf ihr Handy bannen wollten


Nicht foto-scheu


So eine riesige Tempelanlage ernährt zahllose kleine Händler


Farbenfroh bemalte Reliefs


Vermutlich bieten die beiden ihre Transport-Dienstleistungen an


Eines der zahlreichen Tempel-Dächer, diesmal komplett vergoldet


Farbenfroh bemalte Reliefs


Hindu-Nonne


Vermutlich ein Mönch?



Gruß
Thomas

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