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 Datenbank W650/W800 - Technik, Reparatur, Tipps und Tricks
Falcone Offline




Beiträge: 96.643

25.02.2009 11:53
Gabelölwechsel / Gabelfederwechsel / Austauschfedern antworten

Gabelölwechsel / Gabelfederwechsel

Kawasaki schreibt den Wechsel des Gabelöls alle zwei Jahre oder alle 24.000 km vor – je nach dem, was zuerst anfällt.
Da man leider keine Ablassschraube unten am Gabelholm vorgesehen hat, müssen dazu die Gabelholme ausgebaut werden.
Sinnvollerweise nimmt man diese Arbeit auch bei einem Federwechsel vor oder verbindet sie mit einem anstehenden Reifenwechsel vorne. Auch sollte man bei dieser Gelegenheit gleich nach den Bremsbelägen und der Abnutzung der Bremsscheibe schauen, wie auch eine Kontrolle der Radlager durchführen.
Bei der Gelegenheit kann man natürlich auch gleich die Umrüstung auf eine Stahlflexleitung ins Auge fassen – siehe hier: http://211611.homepagemodules.de/t516936...itswechsel.html

Es wird also zuerst das Vorderrad ausgebaut. Danach wird der Bremssattel abgeschraubt und die Bremsschlauchbefestigungsschelle am Schutzblech. Den Sattel abnehmen und mit einem Draht oder einer Schnur ans Motorrad hängen, damit er nicht stört und herumpendelt und seine Last nicht am Bremsschlauch hängt.
Nun wird das Schutzblech abgebaut. Es ist lediglich mit vier SW12-Schrauben befestigt und kann leicht abgenommen werden.

Als nächstes lösen wir die Inbusschraube an der Klemmung der oberen Gabelbrücke (A). Danach drehen wir den Verschlussstopfen des Gabelholms leicht los. Die Klemmung der Gabel wirkt auch leicht auf das Gewinde des Verschlussstopfens. Dieser lässt sich leichter öffnen, wenn man die Klemmung zuerst löst. Der Verschlussstopfen muss jedoch vor dem Öffnen der unteren Klemmung gelöst werden, weil man die den runden und schwer zu fassenden Gabelholm sonst einspannen müsste. Den Stopfen aber nur lösen, nicht herausdrehen.
Zum Lösen dieses Stopfens aus Aluminium einen gut passenden Ringschlüssel bzw. eine Nuss nehmen, am besten einen Flankenschlüssel wie beispielsweise einen Metrinch-Schlüssel. Das Aluminium ist schnell beschädigt und man schaut dann bei jeder Fahrt auf einen vermackten Stopfen.



Nun werden die Klemmung an der unteren Gabelbrücke (B) und auch die obere Schelle der Manschette gelöst. Nun kann der Holm herausgezogen werden.
Nimmt man erst einen Holm heraus und wechselt das Öl und baut ihn wieder ein und nimmt sich dann den anderen vor, so bleiben die Scheinwerferhalter ohne Probleme an ihrem Platz. Man kann aber auch beide Holme gleichzeitig ausbauen, muss dann aber etwas vorsichtig sein, dass die Scheinwerferhalter sich nicht verschieben. Es geht aber auch und spart Zeit.

Den bereits gelösten Verschlussstopfen des Holms nun herausdrehen und die Hülse und die Scheibe herausnehmen. Den Holm nun zusammenschieben kopfüber in ein Auffanggefäß stellen, in dem man das Gabelöl auffängt und den Holm austropfen lässt. Dies über Nacht tun zu lassen kann nicht schaden. Ich lasse die Feder drin, denn das vorzeitige Herausziehen der Feder ergibt immer eine ziemliche Sauerei, weil daran noch viel Gabelöl hängt.


Austropfen der Gabelholme

Lässt man die Feder drin, kann man auch sicher sein, sämtliches Gabelöl auffangen zu können. Das ist dann interessant, wenn man feststellen will, wie viel Öl eigentlich in dem Holm drin war (man weiß ja nicht immer, was eventuelle Vorbesitzer schon gemacht haben).

Um den Schmutz raus zu waschen, kann man den Holm noch mit Benzin oder Bremsenreiniger spülen. Dies ist eine allgemein gültige Empfehlung. Kawasaki schreibt davon im Werkstatthandbuch nichts. Deswegen kann auch keine gesicherte Auskunft gegeben werden, ob alle Bauteile diese Spülung vertragen. Es ist aber anzunehmen.
Zum Leeren des Holms nach der Spülung den Holm ein paar Mal durchpumpen und zusammen geschoben wieder kopfüber gut austropfen lassen. Es darf keine Spülflüssigkeit zurückbleiben.

Nun spannt man den Holm senkrecht in einen Schraubstock (Alubacken und Lappen, damit er nicht beschädigt wird!) und drückt das Standrohr vollständig in das Tauchrohr hinunter. Die Feder ist dabei herausgenommen!


Gabelholm senkrecht im Schraubstock

In jeden Holm füllt man nun ca. 325 ccm Gabelöl. Dieser Wert ist von Kawasaki für ein Nachfüllen nach einem Gabelölwechsel vorgesehen. In der Regel ist das zu wenig.
Wichtiger als dieser Mengenwert ist jedoch der Ölstand im Holm, der nach meinen Erfahrungen von dieser Füllmenge abweicht.
Kawasaki schreibt SEA 10W-20 vor, zu beziehen beispielsweise bei Louis. Aber auch mit dem 15W-20 von Polo habe ich gute Erfahrungen gemacht. Es muss kein teures Öl von den Edelherstellern sein.


Einfüllen des Gabelöls

Mit dem Standrohr ein paar Mal rauf und runter pumpen, damit die Luft austritt, das Standrohr wieder ganz nach unten schieben und dann das Öl einen Moment zur Ruhe kommen lassen.

Zwischen Gabelholmoberkante und Öloberfläche soll der Abstand jetzt 137 +/- 2 mm betragen. Dies kann man mit einem Messstab oder auch mit einem Zollstock/Gliedermaßstab messen. Es empfiehlt sich, hierbei eine Taschenlampe zu Hilfe zu nehmen und genau in der Mitte zu messen, denn zum Rand hin steigt das Öl an.

Ideal ist natürlich eine Absaugvorrichtung, deren Rohr man genau auf die richtige Länge einstellt. So sind beide Holme völlig identisch befüllt und das Messen wird ganz einfach.

Jetzt den Holm wieder auseinander ziehen und die Gabelfeder, die Scheibe und die Hülse hinein stecken. Verwendet man eine progressive Gabelfeder wie z.B. von Wirth oder Wilbers, so wird sie mit der engen Wicklung nach oben eingebaut. Das stellt sicher, dass auch in etwa die gleiche Menge Öl eingefüllt werden kann wie bei der originalen Feder. Außerdem werden die ungefederten Massen verringert, was bei der W aber sicher nicht ins Gewicht fällt. Auf die Federwirkung hat es keinen Einfluss.


Progressive Feder: enge Wicklung nach oben!

Zuletzt den Verschlusstopfen aufsetzen und mit einer Nuss unter Druck gegen die Feder eindrehen. Bitte Aufpassen, dass er auch gerade aufgesetzt wird und dass das Gewinde beim Eindrehen nicht beschädigt wird. Noch nicht festziehen.

Die ganze Prozedur wird jetzt beim anderen Gabelholm wiederholt.

Vor dem Zusammenbau der Gabel säubere ich die Durchführung in der Gabelbrücken gründlich und reibe etwas Kupferpaste hinein (Fett reicht auch) um späteres Festrosten zu vermeiden. Das Oberteil des Gabelholms, das zwischen den Gabelbrücken zu liegen kommt, und auch den oberen Bereich unter der Manschette sprühe ich mit Korrosionsschutz ein, z.B. S100.
Nun den Holm von unten einschieben und darauf achten, dass die Gummidämpfer und Abdeckkappen (Chromringe) oben und unten am Scheinwerferhalter sich nicht verschieben. Im Inneren der Scheinwerferhalter befindet sich auch je eine so genannte Gabelabdeckung, die sich verschieben und verkanten kann (Weiß jemand, wozu dieses Teil gut ist? Klapperschutz?). Aber mit etwas Sorgfalt und Ruhe klappt das eigentlich ganz problemlos.
Die Gabel wird so weit hinein geschoben, bis Holmoberkante und Gabelbrückenoberseite genau bündig sind, der Verschlussstopfen also oben heraus schaut. Nun die Gabel durch Anziehen der Inbusschraube der unteren Gabelbrücke fixieren und die Verschlussschraube festziehen: 23 Nm.
Jetzt die untere Klemmschraube anziehen: 28 Nm - und dann die obere: 20 Nm

Jetzt noch einen Blick auf die Manschetten werfen: Sie haben unten am Rand Entlüftungslöcher, die beim Einfedern der Gabel dafür sorgen, dass Luft ein- und ausströmen kann. Diese Löcher sollten nach hinten-unten weisen, damit eventuell eingedrungenes Wasser an der tiefsten Stelle auch wieder ablaufen kann. Nun die Schelle der Manschette festziehen.


Entlüftungslöcher in der Manschette

Sind beide Holme wieder an ihrem Platz, wird das Schutzblech wieder eingebaut und die Bremszange samt Bremsschlauch-Befestigungsschelle angeschraubt. Nun kommt das Vorderrad wieder an seinen Platz. Vor dem Losfahren die Bremse betätigen, bis sich wieder Druck aufgebaut hat!

Grüße
falcone

P.S. Solange man den Dämpfereinsatz aus dem Gabelholm nicht ausbaut, wird auch der Gabelholmhamster nicht gestört.




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Austauschfedern anderer Hersteller

Die originalen Gabelfedern sind nicht besonders gut, sprechen schlecht an und ergeben ein etwas weiches Gefühl, außerdem kann die Gabel beim Bremsen auf Block gehen (durchschlagen). Deswegen haben die meisten W-Fahrer schon auf progressive Gabelfedern von Wilbers oder Wirth umgerüstet.
electro hat uns dazu informiert:
"Laut Wilbers (telefonische Auskunft vom 19.6.08)ist der Unterschied zwischen den Normalen wilbers Gabelfedern und den Promoto Gabelfedern marginal. Die Fertigungstoleranzen sind bei der Wilbers-Linie etwas geringer -
ist aber vernachlässigbar.
Ich hab rausgehört, dass die Wilbers-Linie sich hauptsächlich über den Namen(!) verkauft.
Promoto gibt es ausschließlich progressiv und stellt eher das 'vVolumenprodukt' von Wilbers dar.
Also Fazit: Promoto ist genauso gut - kostet aber 20€ weniger! Ein echtes Schnäppchen also."


Bleibt noch zu ergänzen, dass sowohl die Wirth als auch die Wilbers-Gabelfedern inzwischen eine ABE haben, also nicht mehr in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden müssen und dass es auf die Wilbers-Federn eine lebenslange Garantie gibt.

Wilbers-Federn behalten die Distanzhülse bei, Wirth-Federn sind länger und werden ohne Distanzhülse montiert, was mir persönlich sympathischer ist.

Falcone Offline




Beiträge: 96.643

30.06.2016 10:54
#2 RE: Gabelölwechsel / Gabelfederwechsel / Austauschfedern antworten

Hier noch mal die Daten von Kawasaki zum Gabelölwechsel:

W650
322 ccm bei Ölwechsel
379 +/-4 ccm bei vollständig trockener Gabe z.B. nach Zerlegung
Ölstand voll eingefedert ohne Feder 137 +/-2mm

W800
343 ccm bei Ölwechsel
400 +/-4 ccm bei vollständig trockener Gabel z.B. nach Zerlegung
Ölstand voll eingefedert ohne Feder 112 +/-2mm

Inwieweit sich die Innereien der Gabel von W650 und W800 unterscheiden, entzieht sich meiner Kenntnis. Sollte ich mal eine W800 Gabel in die Hände bekommen, werde ich nachschauen und es hier dokumentieren.
Tatsächlich liegt ja die W800 etwas "satter" auf der Straße.

Noch eine Ergänzung zum Einbau von Wirth-Federn bei der W650: Nach meinen persönlichen Erfahrungen empfiehlt es sich, den angegebenen Ölstand von 137 mm um einen bis anderthalb Zentimeter (10 bis 15mm) zu erhöhen. Dies verringert das Luftpolster über dem Ölpegel und macht so die Federung etwas straffer. Abstand von Öl-Oberfläche bis zur Oberkante Gabelholm also statt 137mm ca. 120 bis 125mm..
Um die Feder etwas vorzuspannen, kann man zudem noch ein oder zwei Unterlegscheiben á 2mm Stärke entsprechenden Durchmessers zwischen Feder und Verschlussschraube einsetzen. Dies wird vor allem bei einem Fahrergewicht von über 80 Kilo interessant, denn es korrigiert den Negativ-Federweg. Vorspannen bedeutet aber nicht, dass sich die Federrate ändert, die Feder wird also nicht "härter".

Grüße
Falcone

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